Gender – ein Beitrag zur Versachlichung und Positionierung

Nachdem auf den letzten Parteitagen verschiedene Anträge zum Thema Gender eingereicht worden sind hat sich die Frauen-Union Stuttgart entschieden, das Gespräch mit dem EAK zu suchen. Dieses fand Anfang März mit Vertretern der Stuttgarter EAK und FU in der Kreisgeschäftsstelle statt und hat für beide Seiten Verständnis, Übereinstimmungen aber vor allem auch verschiedene Wahrnehmungen und Interpretationen aufgezeigt. Insgesamt war es ein sachliches und von positiver Atmosphäre geprägtes Gespräch.

Dem EAK ist es ein Anliegen, das christliche Bild von Mann und Frau sowie der Familie zu stärken. Dem stehen jedoch Bestrebungen der „Gender-Ideologie“ entgegen, nach der die Geschlechter angeglichen oder sogar frei wählbar sein sollen, bzw. das Geschlecht in dem Sinn keine Rolle mehr spielen soll.

Aus Sicht der Frauen Union ist es wichtig, diese „Gender-Ideologie“ vom eigentlichen Gender Mainstreaming zu unterscheiden. Gender Mainstreaming, ein Begriff, den die Europäische Kommission geprägt hat, bedeutet demgegenüber, dass die Unterschiedlichkeit der beiden Geschlechter Mann und Frau, anerkannt und in politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse Eingang finden soll. Gerade weil Frauen und Männer unterschiedlich sind, sollen sie gleichermaßen auf allen Entscheidungsebenen gehört werden. Das besagen die gängigen und offiziellen Definitionen, die sowohl auf EU als auch auf Bundesebene zur Anwendung kommen. Übertragen ins Deutsche kann in diesem Sinne von „Geschlechtergerechtigkeit“ gesprochen werden. Der Begriff „Gender“ ist ein englisches Wort für das „soziale Geschlecht“. Dessen Auslegungen sind zu differenzieren.

Denn leider gibt es – wie in vielen anderen Bereichen der Gesellschaft – auch hier extreme Positionen, die daraus ihre eigenen Ideologien entwickeln. Von diesen gilt es, sich abzugrenzen – gleichzeitig aber die positiven Aspekte des Gender Mainstreaming nicht über Bord zu werfen.

 

Was FU und EAK gleichermaßen ablehnen:

Der Themenkomplex Gender Mainstreaming sollte nicht ideologisch dazu benutzt werden, sexuelle Orientierungen oder gar das Bild von Mann und Frau aufzulösen. Es sollte auch nicht als Argumentation gegen das Bild der Familie oder gegen die familiäre Betreuung von Kindern durch ihre Eltern benutzt werden.

Wir lehnen die Behauptung ab, dass das Geschlecht und die Identität von Mann und Frau lediglich anerzogen sei und der Mensch sein soziales Geschlecht frei wählen kann bzw. soll. Wir wenden uns auch gegen Frühsexualisierung von Kindern und die prinzipielle Infragestellung der Ehe von Mann und Frau.

Entsprechend dem Selbstverständnis der CDU wenden wir uns gegen diese Positionen.

Was wir befürworten:

Wir sehen in Geschlechtergerechtigkeit ein wichtiges Anliegen, im dem Sinne, Männern und Frauen die gleichen Chancen in der beruflichen Entwicklung und gesellschaftlichen Teilhabe zu geben unter Berücksichtigung der Verschiedenartigkeit von Mann und Frau.

Die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau sollte bei Entscheidungen auf allen Ebenen berücksichtigt werden. Dabei sind aus Sicht der FU viele Aspekte der Genderforschung wichtig und notwendig, nicht nur in der Medizin. Um die heutigen gesellschaftlichen Herausforderungen – ob es Klima und Energiewende oder die älter werdende Gesellschaft ist – zu lösen, braucht es die Einbindung aller gesellschaftlichen Gruppen, insbesondere eine Teilhabe von Männern und Frauen. Dabei geht es um unterschiedliche Bedürfnisse, aber auch Herangehensweisen.

Aus Sicht der FU ist Gender Mainstreaming weder ein Kampf der Geschlechter noch eine Initiative, das angeborene Geschlecht zu negieren oder Geschlechterunterschiede aufzulösen.

So verstanden hat der EAK keine Bedenken, sieht jedoch die begründete Gefahr, dass unter dem Begriff von Gender Mainstreaming die Aspekte der „Gender-Ideologie“ an Lehrstühlen und in Genderkompetenzzentren befördert werden.

Der EAK tritt für Gleichberechtigung ein, für gleiche Chancen für Frauen und Männer. Der EAK lehnt jedoch eine verordnete Gleichstellung von Mann und Frau in allen Bereichen ab, da dies das verfassungsmäßig garantierte Selbstbestimmungsrecht des Menschen einschränkt.

 

Was uns wichtig ist

Neben dem Aspekt der Geschlechtergerechtigkeit ist insbesondere der Aspekt der Familiengerechtigkeit wichtig. Männer und Frauen mit Kindern dürfen nicht benachteiligt werden und sollen eine echte Wahlfreiheit bei der Betreuung ihrer Kinder haben.

FU und EAK sind sich einig, dass die Erziehung von Kindern in der Familie und die Pflege von Angehörigen  ihren eigenen Wert haben und besser wertgeschätzt werden müssen. Menschen sind nicht erst durch ihre Arbeitsleistung vollwertige Mitglieder der Gesellschaft. Der  EAK wendet sich dagegen wenn dies durch staatlich geförderte Maßnahmen oder einseitige Anreize insbesondere Frauen gegenüber suggeriert wird. Die FU sieht hingegen Handlungsbedarf im Ausbau der Infrastruktur an Betreuungsangeboten und der Chancen von Frauen auf Erwerbstätigkeit neben der häuslichen Betreuung von Kindern und Älteren.

Insgesamt half der Austausch eine gemeinsame und differenzierte Sicht auf das Gender Mainstreaming zu finden und uns gemeinsam so gegen extreme Auswüchse abzugrenzen zu können.

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